Sven Ottke

Portrait

Viele Jahre stand der Profi-Boxring im Mittelpunkt seines Lebens. Die Rede ist von Sven Ottke. Im März 2004, als IBF- und WBA-Weltmeister im Super-Mittelgewicht, hängte er drei Monate vor seinem 37. Geburtstag die Boxhandschuhe nach einer beeindruckenden Leistung und einem klaren Punktsieg über den Schweden Armand Krajnc an den Nagel.

Ottke, in Berlin-Tempelhof geboren, hatte sich erst im Alter von 14 Jahren für den Faustkampf entschieden. "Vorher habe ich Fußball gespielt. Ich bin nie in die erste Mannschaft des Vereins gekommen", blickt der in Spandau aufgewachsene Sportler zurück, "außerdem habe ich mich in der Leichtathletik versucht. Zwar war ich nicht schlecht, aber eben auch nicht richtig gut."

Dann kam er zum Boxen, erinnert sich der Deutsche. Beim Spandauer BC 26 wurde der Rohdiamant Ottke als Amateur erstmals geschliffen. Große internationale Erfolge feierte er unter anderem mit seinem späteren Profitrainer Ulli Wegner. Schnelle Beine und flinke, überfallartige Hände brachten dem gelernten Stuckateur und Industriekaufmann bei den Amateuren 1991 und 1996 den EM-Titel.

Von 335 Kämpfen gewann er 286, bevor er dann im März 1997 ins Profilager wechselte. Nur 17 Monate später gewann er gegen den Amerikaner Charles Brewer die IBF-Weltmeisterschaft. Dabei zeigte er in Düsseldorf eine nicht für möglich gehaltene Energie-Leistung. Es folgte Titelverteidigung um Titelverteidigung, ehe Ottke am 15. März 2003 der ganz große Coup gelang.

In der Spitze fieberten knapp 10 Millionen Menschen an den TV-Geräten und 10.000 Zuschauer in der restlos ausverkauften Max-Schmeling-Halle in Berlin mit, um bei Ottkes Punktsieg gegen den amerikanischen WBA-Champion Byron Mitchell dabei zu sein: Sven Ottke war Doppel-Weltmeister! Nach vier weiteren Erfolgen nahm er im März 2004 in der Magdeburger Bördelandhalle - in 34 Profikämpfen ungeschlagen - Abschied vom aktiven Boxsportgeschehen.

Seit diesem Tag widmet er sich überwiegend einem anderen Sport - dem Golfspielen. Schon als Boxprofi sei der Funke für´s Golfen übergesprungen. "Ich war gleich begeistert. Golfen ist genial. Denn man spielt eigentlich gegen sich selbst - gegen seine eigenen Fehler und Schwächen. Außerdem bist du immer an der frischen Luft und lernst viele Leute kennen. Nach 18 Loch kannst du dann meist genau einschätzen, was für eine Art Typ dein Mitspieler ist."

Für sein Ziel, Golflehrer zu werden, trainiert er mehrmals in der Woche. Um allerdings die dafür notwendige Ausbildung beginnen zu können, muss er sein Handicap auf 6.4 nach unten schrauben. Da Sven Ottke auch heute noch sehr gefragt ist, fehlt ihm häufig die Zeit, sich intensiv genug um die Verbesserung seiner Fertigkeiten in diesem Bereich zu kümmern.

Der frühere Boxprofi Sven Ottke, der mit seiner Lebensgefährtin Monic in Karlsruhe lebt, ist jemand, der durch seine ehrliche, sympathische Art überall gut ankommt. Deshalb ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass er noch immer als Gast in TV-Sendungen und als Moderator sehr beliebt ist. Ihn selbst freut das sehr: "Es ist doch toll, wenn einen die Leute nicht so schnell vergessen. Und ich selbst bin jemand, der es genießt, Menschen um sich zu haben."

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